Ich mag die Bavaria

Du hast den Krieg in Syrien mitbekommen?
Ja, in Aleppo.

Wie war das?
Am Anfang hatte man Angst. Angst, dass man erschossen wird, Angst vor Bomben. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran.  Man geht zur Uni man geht Einkaufen. Es wird normal. Man muss weiter leben.

Welche Erinnerung hast du an Aleppo, vor dem Krieg?
Es war eine schöne Stadt. Wir hatten unsere Freunde und Familie. Das Leben war aber auch vor dem Krieg nicht immer einfach. Mit dem Krieg wurde es schwieriger.

War es vorher schon nicht einfach, weil du kurdisch bist?
Kurdisch sein spielt eine Rolle. Es gab Probleme deswegen. Und es gibt auch heute und hier Probleme deswegen.

Seit wann bist du in Deutschland?
Ich bin Anfang des Jahres nach München gekommen. Ich habe gleich Deutsch gelernt. Ich wollte nicht Asyl beantragen. Ich wollte einen Nebenjob haben und habe die Ausländerbehörde gefragt, ob ich eine Arbeitserlaubnis bekommen kann. Aber sie haben gesagt: Nein „Asyl beantragen“ oder „Ausreisen“.

Wo lebst du jetzt?
Ich wurde nach Neu-Ulm geschickt. Das ist noch in Bayern neben Ulm. München ist ganz anders als Neu-Ulm. In München werden Flüchtlinge akzeptiert. Nicht nur am Hauptbahnhof, sondern überall. In Neu-Ulm habe ich das Gefühl, dass die Leute keinen Kontakt mit uns haben wollen. Ich bin aber erst 3 Wochen dort.

Am liebsten würde ich wieder in München leben.  München ist schön. Nicht nur die Stadt, die Leute. Ich mag München. Und ich mag es an der Theresienwiese zu sitzen am Abend. Einfach sitzen und ein Bier trinken. Ich mag die Bavaria, diese Frau. Einfach so.

Was wünschst du dir?
Ich wünsche mir, dass meine Zeugnisse anerkannt werden. Dann könnte ich eine Berufserlaubnis bekommen und zwei Jahre lang als Assistenzarzt arbeiten. Dann muss ich eine Prüfung machen, um meine Approbation als Zahnarzt zu bekommen. Ich habe meine Unterlagen schon abgegeben, aber es kam noch keine Antwort bis jetzt.
Und ich möchte einfach arbeiten. Ich will kein Geld von irgendjemand, ich will alles selber zahlen. Ich habe mich jetzt für freiwillige Arbeit beim Roten Kreuz angemeldet. Helfen, etwas machen, ist besser als in der Unterkunft zu sitzen.

Welche Orte sind dir wichtig?
Die Bibliothek. Ich lese viel. Ich verbringe eigentlich meine ganze Zeit in der Bibliothek.

Und Studieren, die Uni ist mir wichtig. Ich will da nächste Woche als Gasthörer hin. Ich wollte fragen, ob das geht.

Vor was hast du Angst?
Meine größte Angst ist, dass meiner Familie etwas passiert. Meine Familie ist das Wichtigste für mich. Um mich persönlich habe ich keine große Angst. Klar, meine Wohnsituation ist nicht sehr schön. In der Unterkunft sind alle Menschen nervös. Das ist schwierig.

Was braucht man um anzukommen?
Chancen und Freiheit.

Interview: Shiar (25) und Christine am 6. November 2015 im Westend