Dann haben wir uns hingestellt und einfach gekocht

Wie fing das an, dass die Volksküche für Flüchtlinge kocht?

Am 1. September 2015 als wir hörten, dass so viele Flüchtlinge am Hauptbahnhof ankommen werden, haben wir uns gefragt ,„wie schaut´s aus, wollen wir da was machen?“ Und da kam von allen, „wow ja wollen wir!“

Wir haben uns hin gestellt und einfach gekocht. Erst mal bei Fabi im Hinterhof einen Eintopf für 400 Leute. Am HBF war Chaos. Dann haben wir uns über die Caritas in der Hirtenstr. einen neuen Stellplatz organisiert und unser weißes Zelt aufgestellt. Seitdem sind wir toujours am Kochen. Jetzt sind wir in die Richelstr. umgezogen.

Für wie viele Leute habt ihr gekocht?

An einem Tag haben wir bis zu 5500 warme Essen raus gegeben. Der Hofpfister hat uns Brotlaibe geschenkt. Zu Hochzeiten schnippelten 20 Leute gleichzeitig im Schichtbetrieb. Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Wir waren 12, manchmal sogar 24 – 36 Stunden da. Wenn einer müde war, kam der nächste. Es war der Wahnsinn.

Das gibt’s nur hier?

Es gibt sonst keine Küchen, die privat organisiert sind. Nur professionelle Caterer. Und da hab ich gehört, dass die immer wieder Fehler machen, z.B. dass sie Kartoffelsuppe mit Wienerwürstchen machen, aber statt mit Putenwürstchen mit Schweinswürstchen, was natürlich problematisch ist.

Wir kochen vegan. Das passt zur Küche vieler afrikanischer und arabischer Länder, die sich relativ fleischlos ernähren. Wir wollen das auch aus ethischen Gründen, weil wir nicht das Fleisch kaufen können, was unseren Standards entspricht. Keine tierischen Produkte zu verwenden, ist der kleinste gemeinsame Nenner. Das kann jeder essen.

Wie kriegt ihr die Lebensmittel?

Nahrungsmittel werden inzwischen von München Stift bzw. dem Sozialreferat bezahlt. Materialien kriegen wir vom Kreisjugendring. Wir sind gerade dabei einen Verein zu gründen. Volksküche München e.V. , ein gemeinnütziger Verein. Es soll klar sein, dass alles Geld wieder in soziale Projekte fließt. Das ist alles ehrenamtlich.

Warum macht ihr das?

Ich mach es, weil sich die Leute hier gerade nicht selbst verpflegen können. Wenn ich mich nicht selbst verpflegen könnte, dann wäre es für mich das höchste der Gefühle, wenn mir jemand was Warmes zu Essen hinstellt. Die Flüchtlinge, die hier in der Richelstr. sind, füllen ihre Reserven wieder auf.

Das ist der Unterschied vom letzten Mal als Flüchtlinge hier waren. Da ging es nach 4 Stunden weiter. Da reichte eine kleine Portion, um etwas Warmes im Magen zu haben und wieder Kraft zu bekommen. Aber im Moment sind die Flüchtlinge hier schon seit über 1,5 Wochen hier, haben Langeweile, wissen nicht was los ist.
Hier ist gerade eine Wartehalle. Voll von Männern.

Wichtig wäre jetzt, dass hier Organisationen herkommen, die was mit den Leuten machen. Projekte, die man kurzfristig machen kann. Tanzkurse, Sprachkurse, damit sie Deutsch lernen können. Viele sprechen uns an „Hallo, wie geht’s?“ oder „Kann ich bitte eine Banane haben?“ Sie lernen sehr gerne. Und mir wäre es auch stinke-langweilig, wenn ich über Tage und Wochen irgendwo wäre und keine Ansage bekomme.

Wie empfindest du die Stimmung in München jetzt?

Die Stimmung finde ich gut. Die Leute in München sagen noch, dass Flüchtlinge willkommen sind und sehen sich auch keineswegs überfordert. Ich glaube eher, die haben schlechte Laune, weil die Regierung Fehler macht und immer wieder Falschaussagen macht. Die behauptet ja, dass momentan täglich 4000 Leute in München ankommen würden, was einfach nicht stimmt. Es kommt mir so vor, als versuchten sie die freiwilligen Helfer abzuschrecken, so dass es eben nicht mehr dieses freudige Hallo gibt.

Ich hoffe aber, dass die Leute trotzdem dabei bleiben, weil es toll ist, den Flüchtlingen, die hier ankommen, das Gefühl zu geben, dass sie jetzt sicher sind.

Was braucht man, um ankommen zu können?

Ankommen kann ich, wenn jemand sagt: „Hallo, herzlich willkommen!“ So wie das München gemacht hat, oder wenn mein Bauch voll ist, weil ich gutes Essen bekommen hab. Ankommen kann ich, wenn meine Grundbedürfnisse erfüllt sind und wenn ich einen Plan habe, wie es weiter geht. Das ist so das Wichtige.

Interview: Moritz, Vokü-Muc mit Christine in der Richelstr. 7, 12. November 2015